«Lesehalt» – die Krux vom Erntezeitpunkt

Mit der Traubenlese ernten wir die Früchte unserer unzähligen Arbeitsstunden, welche wir die letzten Monate in unserem Wingert verbracht haben. Dementsprechend ist diese Jahreszeit für uns Winzer die spannendste und gleichzeitig aber auch die Zeit, welche sehr viel Energie von uns fordert.
Eine der wichtigsten Entscheidungen im Rebjahr steht an und fordert von jedem Winzer viel Fingerspitzengefühl – der Erntezeitpunkt wird bestimmt. Der Lesetermin hat einen grossen Einfluss auf die Qualität und den Charakter eines Weines.
Soll der Wein vollmundig und kräftig sein, mit Aromen von dunklen Früchten, oder soll es ein frischer, eleganter Wein mit einer guten Säurestruktur und einer feinen Mineralität sein?
Der Winzer möchte am liebsten natürlich alle positiven Parameter in einem Wein vereinen. Mit dem Bestimmen des Erntezeitpunkts versuchen wir dies jedes Jahr aufs Neue.

Der Erntezeitpunkt wird aber auch von ganz vielen natürlichen Faktoren beeinflusst.

Hier geht es hauptsächlich um die Fragen:

  • Mussten die Reben viel Niederschlag erdulden?

  • Wie war der Witterungsverlauf während der Reifephase?

  • Wie ist der Gesundheitszustand der Trauben?

  • Wie sehen die Wetterprognosen für die nächsten Tage aus?

All diese Faktoren kann der Winzer nur sehr bedingt beeinflussen. Wir versuchen im Rebberg die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen und sind der Überzeugung, dass wir so zumindest den Gesundheitszustand der Trauben beeinflussen können.
In einem eher kühlen und niederschlagsreichen Jahr wie 2021 zahlt sich unser Aufwand in den Reben so richtig aus, wir sind mit der diesjahrigen Qualität der Trauben sehr zufrieden.
Deshalb haben wir entschieden, nach zwei Lesetagen eine Pause einzulegen. Die Wetteraussichten sind für die nächsten Tage perfekt, die Trauben können bei uns noch etwas von den kühlen Nächten und sonnigen Tagen profitieren. So freuen wir uns auf einen versöhnlichen Abschluss des Weinjahres 2021 und auf eine sehr vielversprechende Qualität.